Sebastian
06.07.2005, 13:46
Heute wurde die Entscheidung bekanntgegeben wer Olympia 2012 ausrichten wird. Gewonnen hat London vor Paris.
London zum dritten Mal Olympia-Gastgeber
Moskau, New York und Madrid schieden bereits früh aus
Singapur - London ist Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2012 und damit zum dritten Mal nach 1908 und 1948 Olympia-Schauplatz.
Im vierten und letzten Wahlgang setzte sich die britische Hauptstadt in Singapur mit 54:50 Stimmen gegen den großen Favoriten Paris durch.
Die Spiele 2012 sollen vom 27. Juli bis 12. August stattfinden, die Paralympics einige Wochen später. Auf London wartet neben dem enormen Prestigegewinn auch rund eine Milliarde Dollar des IOC als Anteil aus Fernseh- und Sponsorenverträgen.
Hochkarätigste Teilnehmerfeld aller Zeiten
In einer spannenden Entscheidung auf der 117. IOC-Session waren zuvor erst Moskau, dann New York und Madrid ausgeschieden.
Mit fünf Weltmetropolen war das hochkarätigste Teilnehmerfeld aller Zeiten am Start gewesen. Der deutsche Bewerber Leipzig war in der Vorauswahl vor gut einem Jahr knapp hinter Moskau auf der Strecke geblieben.
"Mischung aus Fakten und Emotionen"
London beeindruckte nicht nur Bach durch "eine glänzende Mischung aus Fakten und Emotionen", die Bewerbungschef Sebastian Coe moderierte. Das heruntergekommene Londoner Eastend soll sich laut Coe in "ein Sportparadies für die Jugend vieler kommender Generationen" verwandeln.
Insgesamt sollen bis 2012 rund 30 Milliarden Dollar in Infrastruktur und Sportstätten investiert werden, mehr als in jeder anderen Stadt.
Premierminister Tony Blair, der nach drei Tagen intensiver Kampagne vorzeitig zum G8-Gipfel abreisen musste, hatte auch auf Französisch noch einmal versichert: "Das ganze Land steht geschlossen hinter dieser Bewerbung."
Der Ausgang galt bis zuletzt als "zu eng für jede Prognose", obwohl sich letztlich die beiden höchstgehandelten Kandidaten im Finale gegenüberstanden. Paris war von Beginn an als Favorit angesehen worden, London hatte zuletzt immer mehr Boden gut gemacht.
Als IOC-Präsident Jacques Rogge das Ergebnis um 19.53 Uhr Ortszeit im Raffles Convention Center verkündete, war die Enttäuschung in Paris grenzenlos.
"Langer und erregender Tag"
Der erste Wahlgang hatte um 18.26 Uhr Ortszeit begonnen. An ihm nahmen 97 IOC-Mitglieder teil, darunter auch die beiden Deutschen Bach und Walther Tröger.
Der Countdown eines "langen und erregenden Tages" (Rogge) hatte am Morgen um 9.00 Uhr Ortszeit (03. 00 Uhr nachts MESZ) mit den Präsentationen begonnen. Die Reihenfolge war ausgelost worden. Alle fünf Städte traten warfen noch einmal alles in die Waagschale.
Den Anfang machte Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, der sofort danach zum G8-Gipfel flog. Es folgte New York mit seiner Senatorin und ehemaligen First Lady Hillary Clinton sowie einer Videobotschaft von Präsident Bush.
Für Moskau meldete sich Wladimir Putin ebenfalls per Video. Als erster russischer Präsident hielt er eine offizielle Rede auf Englisch. Den Abschluss machte London.
Paris Favorit der Evaluierungskommission
Dann zog Nawal El Moutakawel, Marokkos Hürden-Olympiasiegerin 1984, als Vorsitzende der Evaluierungskommission ein "technisches Fazit".
Das Gremium hatte die fünf Kandidaten im Februar und März unter die Lupe genommen und in seinem Abschlussbericht Paris vor London, Madrid, New York und Moskau gesehen. Obwohl die Amerikaner vor erst vier Wochen ihr Olympiastadion von Manhattan nach Queens verlegen mussten, blieben die Inspektoren bei der Note "hohe Qualität".
Paris präsentierte sich zum Auftakt betont zurückhaltend, doch Bach bezeichnete den Auftritt als "brillant und stilvoll". Chirac erinnerte in einer kurzen, aber leidenschaftlichen Ansprache in Französisch an die olympischen Werte, die durch IOC-Gründer Pierre de Coubertin von Frankreich aus in die Welt gegangen sind.
Olympiasieger Jean Claude Killy versprach, dass Paris bei seinem dritten Anlauf aus den Niederlagen für 1992 und 2008 gelernt habe. Starregisseur Luc Besson hatte den Bewerbungsfilm unter das Motto "L'amour des jeux" (Die Liebe der Spiele) gestellt.
"Schmelztiegel der Nationen"
Es folgte New York, das sich erstmals bewarb und offen der olympischen Familie den größten Profit versprach, wenn sie sich für den "Schmelztiegel der Nationen" entscheiden würde. Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte, die Kandidatur "knapp vier Jahre nach der dunkelsten Stunde", dem 11. September, sei bester Beweis für die Vitalität der Stadt.
Präsident George W. Bush (der an diesem Tag Geburtstag hatte) und sein Vorgänger Bill Clinton warben per Video. Hillary Clinton prophezeite, die schwache Unterstützung der Bevölkerung werde nach der Wahl sofort in Begeisterung umschlagen. Auch Muhammad Ali saß für New York im Saal und wurde umjubelt.
Moskau und Olympia am Fluss
Für Moskau sprach Putin von einer "einzigartigen Chance für das IOC", eine Wahl Moskaus würde "auf die Zukunft unserer Welt großen Einfluss haben". Die olympische Bewegung könne stets auf Russland bauen: "Wie auch immer ihre Entscheidung ausfällt."
Moskau, dessen erste Spiele 1980 unter dem West-Boykott litten, präsentierte diesmal ein Konzept "Olympia am Fluss" mit den meisten Schauplätzen entlang der Moskwa, das vielen aber zu vage schien.
Madrids kurze Hoffnung
Madrid trat zum Abschluss ohne IOC-Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch an, der zuvor das kompakte Konzept "als die beste Wahl für die Athleten" bezeichnet hatte. Als letzte aller Sprecherinnen stand Königin Sofia "als Mitglied einer großen olympischen Sportfamilie" vor der Session.
"Mein Bruder König Konstantin von Griechenland, mein Mann König Juan Carlos von Spanien, meine Tochter Cristina, mein Sohn Felipe und mein Schwiegersohn Inaki Urdangarin haben an Olympischen Spielen teilgenommen", sagte sie sichtlich bewegt und verabschiedete sich in sechs Sprachen, darunter auch Deutsch, mit den Worten: "Wir erwarten Sie in Madrid."
Die Hoffnung währte nur bis zur dritten Runde.
Quelle: sport1.de
London zum dritten Mal Olympia-Gastgeber
Moskau, New York und Madrid schieden bereits früh aus
Singapur - London ist Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2012 und damit zum dritten Mal nach 1908 und 1948 Olympia-Schauplatz.
Im vierten und letzten Wahlgang setzte sich die britische Hauptstadt in Singapur mit 54:50 Stimmen gegen den großen Favoriten Paris durch.
Die Spiele 2012 sollen vom 27. Juli bis 12. August stattfinden, die Paralympics einige Wochen später. Auf London wartet neben dem enormen Prestigegewinn auch rund eine Milliarde Dollar des IOC als Anteil aus Fernseh- und Sponsorenverträgen.
Hochkarätigste Teilnehmerfeld aller Zeiten
In einer spannenden Entscheidung auf der 117. IOC-Session waren zuvor erst Moskau, dann New York und Madrid ausgeschieden.
Mit fünf Weltmetropolen war das hochkarätigste Teilnehmerfeld aller Zeiten am Start gewesen. Der deutsche Bewerber Leipzig war in der Vorauswahl vor gut einem Jahr knapp hinter Moskau auf der Strecke geblieben.
"Mischung aus Fakten und Emotionen"
London beeindruckte nicht nur Bach durch "eine glänzende Mischung aus Fakten und Emotionen", die Bewerbungschef Sebastian Coe moderierte. Das heruntergekommene Londoner Eastend soll sich laut Coe in "ein Sportparadies für die Jugend vieler kommender Generationen" verwandeln.
Insgesamt sollen bis 2012 rund 30 Milliarden Dollar in Infrastruktur und Sportstätten investiert werden, mehr als in jeder anderen Stadt.
Premierminister Tony Blair, der nach drei Tagen intensiver Kampagne vorzeitig zum G8-Gipfel abreisen musste, hatte auch auf Französisch noch einmal versichert: "Das ganze Land steht geschlossen hinter dieser Bewerbung."
Der Ausgang galt bis zuletzt als "zu eng für jede Prognose", obwohl sich letztlich die beiden höchstgehandelten Kandidaten im Finale gegenüberstanden. Paris war von Beginn an als Favorit angesehen worden, London hatte zuletzt immer mehr Boden gut gemacht.
Als IOC-Präsident Jacques Rogge das Ergebnis um 19.53 Uhr Ortszeit im Raffles Convention Center verkündete, war die Enttäuschung in Paris grenzenlos.
"Langer und erregender Tag"
Der erste Wahlgang hatte um 18.26 Uhr Ortszeit begonnen. An ihm nahmen 97 IOC-Mitglieder teil, darunter auch die beiden Deutschen Bach und Walther Tröger.
Der Countdown eines "langen und erregenden Tages" (Rogge) hatte am Morgen um 9.00 Uhr Ortszeit (03. 00 Uhr nachts MESZ) mit den Präsentationen begonnen. Die Reihenfolge war ausgelost worden. Alle fünf Städte traten warfen noch einmal alles in die Waagschale.
Den Anfang machte Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, der sofort danach zum G8-Gipfel flog. Es folgte New York mit seiner Senatorin und ehemaligen First Lady Hillary Clinton sowie einer Videobotschaft von Präsident Bush.
Für Moskau meldete sich Wladimir Putin ebenfalls per Video. Als erster russischer Präsident hielt er eine offizielle Rede auf Englisch. Den Abschluss machte London.
Paris Favorit der Evaluierungskommission
Dann zog Nawal El Moutakawel, Marokkos Hürden-Olympiasiegerin 1984, als Vorsitzende der Evaluierungskommission ein "technisches Fazit".
Das Gremium hatte die fünf Kandidaten im Februar und März unter die Lupe genommen und in seinem Abschlussbericht Paris vor London, Madrid, New York und Moskau gesehen. Obwohl die Amerikaner vor erst vier Wochen ihr Olympiastadion von Manhattan nach Queens verlegen mussten, blieben die Inspektoren bei der Note "hohe Qualität".
Paris präsentierte sich zum Auftakt betont zurückhaltend, doch Bach bezeichnete den Auftritt als "brillant und stilvoll". Chirac erinnerte in einer kurzen, aber leidenschaftlichen Ansprache in Französisch an die olympischen Werte, die durch IOC-Gründer Pierre de Coubertin von Frankreich aus in die Welt gegangen sind.
Olympiasieger Jean Claude Killy versprach, dass Paris bei seinem dritten Anlauf aus den Niederlagen für 1992 und 2008 gelernt habe. Starregisseur Luc Besson hatte den Bewerbungsfilm unter das Motto "L'amour des jeux" (Die Liebe der Spiele) gestellt.
"Schmelztiegel der Nationen"
Es folgte New York, das sich erstmals bewarb und offen der olympischen Familie den größten Profit versprach, wenn sie sich für den "Schmelztiegel der Nationen" entscheiden würde. Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte, die Kandidatur "knapp vier Jahre nach der dunkelsten Stunde", dem 11. September, sei bester Beweis für die Vitalität der Stadt.
Präsident George W. Bush (der an diesem Tag Geburtstag hatte) und sein Vorgänger Bill Clinton warben per Video. Hillary Clinton prophezeite, die schwache Unterstützung der Bevölkerung werde nach der Wahl sofort in Begeisterung umschlagen. Auch Muhammad Ali saß für New York im Saal und wurde umjubelt.
Moskau und Olympia am Fluss
Für Moskau sprach Putin von einer "einzigartigen Chance für das IOC", eine Wahl Moskaus würde "auf die Zukunft unserer Welt großen Einfluss haben". Die olympische Bewegung könne stets auf Russland bauen: "Wie auch immer ihre Entscheidung ausfällt."
Moskau, dessen erste Spiele 1980 unter dem West-Boykott litten, präsentierte diesmal ein Konzept "Olympia am Fluss" mit den meisten Schauplätzen entlang der Moskwa, das vielen aber zu vage schien.
Madrids kurze Hoffnung
Madrid trat zum Abschluss ohne IOC-Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch an, der zuvor das kompakte Konzept "als die beste Wahl für die Athleten" bezeichnet hatte. Als letzte aller Sprecherinnen stand Königin Sofia "als Mitglied einer großen olympischen Sportfamilie" vor der Session.
"Mein Bruder König Konstantin von Griechenland, mein Mann König Juan Carlos von Spanien, meine Tochter Cristina, mein Sohn Felipe und mein Schwiegersohn Inaki Urdangarin haben an Olympischen Spielen teilgenommen", sagte sie sichtlich bewegt und verabschiedete sich in sechs Sprachen, darunter auch Deutsch, mit den Worten: "Wir erwarten Sie in Madrid."
Die Hoffnung währte nur bis zur dritten Runde.
Quelle: sport1.de